09.01.2020

Auf den Anfang kommt es an

Jeweils sechs Fachkräfte der BBW-Kindertagesstätten reisten vom 04. bis 13.02.2019 und vom 22. bis 27.09.19 nach Schweden. Seit 2016 besteht regelmäßiger Kontakt, der in einem ersten Besuch in Leipzig inhaltlich untersetzt und bei einem gemeinsamen Besuch mit dem Hauptgeschäftsführer in Stockholm intensiviert wurde. Dank der Vermittlung der schwedischen Honorarkonsulin für Sachsen und Sachsen-Anhalt konnte Kontakt zur Oberregierungsrätin a.D. des schwedischen Bildungsministeriums aus Stockholm hergestellt werden.

Seit den späten 1990er Jahren setzte sich in Schweden eine Reformbewegung durch, die verschiedene pädagogische Traditionen in Vorschulbereich und Schule miteinander verknüpfte und weiterentwickelte. Die vorschulische Entwicklung eines Menschen wird als Grundlage seiner weiteren Entwicklung gesehen, weshalb es fließende Übergänge zwischen Krippe, Kindergarten, Vorschulklasse und Schule gibt.

Der fachliche Austausch zur Umsetzung dessen stand im Interesse der Fachkräfte der BBW-Kindertagesstätten, durch das Projekt Erasmus+ / Leitaktion 1 konnte er verwirklicht werden. Während der damit verbundenen Reisen nach Stockholm konnten die Fachkräfte in den schwedischen Kooperations-Kindertageseinrichtungen hospitieren und sich austauschen.

Die Reisenden fanden viele Ähnlichkeiten zu den Anforderungen an die Praxis: Auch schwedische Fachkräfte in der „Förskola“ haben die Aufgaben als Lernbegleitung und zur Schaffung einer lernanregenden Umgebung sowie Dokumentation. Sie schaffen Gelegenheiten für Erfahrungsvielfalt und Austauschvielfalt, Bildung zu Nachhaltigkeit, Entwicklung von Selbstwirksamkeit, Individualität und Wertschätzung.  

Ganz anders gestaltet sich aber die Bildungsarbeit unter dem Aspekt der Ziel- und Resultatsteuerung: Grundanliegen ist es, gleichzeitig mit den anderen Kindertagesstätten für die Kinder ein bestimmtes vorschulisches Bildungsziel zu erreichen, ohne deren Entwicklungsstand und ihre individuellen Möglichkeiten aus dem Blick zu lassen. Dem- entsprechend sind die Häuser viel kleiner als in Sachsen und die Personalausstattung wie auch die Ressourcen sind sowohl quantitativ als auch qualitativ anders.

Drei Beispiele sollen das verdeutlichen:

Es war an allen Einsatzorten zu beobachten, wie Tablets, Laptops, Video-Beamer, kleine Roboter und elektronische Lupen im Alltag von Fachkräften und Kindern wie selbstverständlich eingesetzt werden. Digitale Technik dient als Dokumentations-, Beobachtungs- und Lehrmittel. Jede Gruppe der Kindertageseinrichtungen ist mit einem Tablet ausgestattet. Alle Fachkräfte sind strukturiert über Inhouse-Fortbildungen geschult, um die Möglichkeiten in ihrem pädagogischen Alltag zu nutzen.

Die Verzahnung von Beobachtung, Fallbesprechung und Begleitung der Kinder in der Alltagsgruppe mit den entsprechenden Therapeuten, Psychologen und Sonderpädagogen ist den etablierten Abläufen in den BBW-Kindertagesstätten ähnlich. Diese Professionen sind in Stockholm jedoch nicht bei externen Institutionen und Trägern angesiedelt.

Eine Küche ist in den Raum integriert, Kabel sind zum Übersteigen da, Wurzeln im Garten zum Überspringen. Klettern, Bewegen und Geschicklichkeit sind erwünscht, ebenso wie Experimentierfreude und Neugier. Genauso selbstverständlich ist die häufige Nutzung des Außengeländes bei jedem Wetter, auch für andere als Bewegungsaktivitäten, so z.B. zum Malen: Dies kann trotz Minusgraden gut eingepackt am überdachten Garten-Tisch oder auf einer Bank ebenso stattfinden wie direkt im Schnee.

Ein Fachtag mit dem Schwedischen Konsulat und der schwedischen Staatssekretärin a.D.  am 13.03.2020 griff die Ergebnisse gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus, der Universität Leipzig, der Stadt Leipzig und der Johanniter Akademie Leipzig auf.

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Christine Heuer

Christine Heuer

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